Evangelische Religion

Ohne Sprachkompetenz kein Bildungserfolg. Durchgängige Sprachbildung ist daher eine Bildungsaufgabe aller Fächer und als solche auch in den Fach-Kerncurricula (KC) verankert. Auch Interkulturelle Bildung spielt in fast allen Fächern eine wichtige Rolle. Wir leben in einer plurikulturellen und mehrsprachigen Gesellschaft und Interkulturelle Kompetenz ist eine Ressource für unsere Gesellschaft und Wirtschaft. 

Im Folgenden wird aufgezeigt, in welcher Hinsicht Sprachbildung und Interkulturelle Bildung im Fach Evangelische Religion eine Rolle spielen. Dazu wird exemplarisch das KC für die Integrierte Gesamtschule (IGS) herangezogen, da dieses alle Schulformen der Sekundarstufe I abbildet. 

Sprachbildung

In den KC für den Religionsunterricht wird Sprachbildung explizit als Aufgabe der Fächer formuliert:

"Über den bereits genannten Beitrag zum Aufbau religiöser und ethischer Kompetenzen hinaus ist die Bedeutung von Religionsunterricht für den Erwerb von Sprach- und Reflexionskompetenz kaum zu überschätzen. Hier werden Zeit, Mühe und Sorgfalt auf die Erschließung anspruchsvoller Texte verwendet und spielt das Wort eine zentrale Rolle. Zugleich stärkt der Religionsunterricht auf vielfältige Weise das Interesse, die Wirklichkeit zu erkennen, die Welt zu verstehen und sie sich selbst und anderen zu erklären. Darüber hinaus werden im Religionsunterricht zahlreiche weitere Kompetenzen gefördert – soziale, kommunikative, ästhetische und mediale ebenso wie geschichtliche, politische und wissenschaftliche Kompetenzen." (KC Ev. Religion IGS, S. 8)

Auch die Kompetenzerwartungen wie Urteilskompetenz – in religiösen und ethischen Fragen begründet urteilen, Dialogkompetenz – am religiösen und ethischen Dialog teilnehmen und Gestaltungskompetenz – religiöse Ausdrucks- und Gestaltungsformen verwenden zeigen die Wichtigkeit von sprachlichen Fähigkeiten im Fach Evangelische Religion. Die inhaltlichen Bereiche aus den sechs Kompetenzbereichen aus der Perspektive des evangelischen Verständnisses des Christentums beinhalten jeweils wichtige Elemente, die sich mit der Sprachbildung auseinandersetzten. Inhaltlich sind hierbei von wichtigen Sprachelementen wie "darstellen", "erläutern", "beschreiben" oder "beurteilen" die Rede. Diese Elemente sind in jeder Kategorie der verschiedenen Kompetenzbereiche des Bereiches Evangelische Religion wiederzufinden.

"Der Mitarbeit im Unterricht kommt bei der Bestimmung der Gesamtzensur im Fach Evangelische Religion ein deutlich höheres Gewicht zu als der schriftlichen Leistung. (...) Besonders zu berücksichtigen sind die Kontinuität des Engagements und die Komplexität der Beiträge. Der Kommunikationsfähigkeit (Handhabung von Gesprächsregeln, situationsangemessene Sprechweise) und der Kooperationsfähigkeit (sachbezogenes Eingehen auf andere Beiträge, zielorientiertes und effektives Arbeiten in verschiedenen Sozialformen) kommt erhebliches Gewicht zu." (KC Ev. Religion, S. 30f.)

Interkulturelle Bildung

Der evangelische Religionsunterricht strebt das „Bildungsziel der Pluralitätsfähigkeit“ (S. 8) an. Er befähigt die Jugendlichen, eine begründete Überzeugung zu Werten und Normen zugrunde liegenden Wahrheiten zu entwickeln und dazu zu stehen, während sie zugleich mit Menschen anderen Glaubens im respekt- und verständnisvollen Dialog bleiben.
So kann der Unterricht in Schule und Gesellschaft „einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass über die Grenzen von Religionen und Kulturen hinweg das Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung gefördert wird.“ (S. 11) Die klare Positionierung der Lehrkraft im konfessionellen Unterricht bei gleichzeitiger Betrachtung alternativer Positionen mit jeweiligen, einander teilweise widersprechenden Wahrheitsansprüchen fordert die Jugendlichen in besonderer Weise zum Erarbeiten einer autonomen Position heraus.

Über das Christentum und andere Religionen werden zudem Sachkenntnisse vermittelt, ohne die sich „Geschichte und Kultur in Deutschland, in Europa sowie im weltweiten Zusammenhang [..] nicht angemessen verstehen“ (S. 7) lassen.

Die für interkulturelle Kompetenz zentralen Bestandteile „Urteils-“ und „Dialogkompetenz“ sind prominente Lernziele im KC evangelische Religion (vgl. S. 16). Insbesondere die Vermittlung der Dialogkompetenz ist von besonderer Relevanz. Durch die Initiierung von Begegnungen (vgl. S. 12) kann sie eingeübt werden. Beide Lernziele werden in verschiedene Komponenten unterteilt, die die kritische und kriteriengeleitete Auseinandersetzung, die Formulierung eines begründeten eigenen Standpunktes und die respektvolle Kommunikation bzw. Kooperation mit Angehörigen anderer Religionen und Weltanschauungen enthalten. (vgl. S. 16)

Evangelischer Religionsunterricht dient also der individuellen Orientierung, dem Erwerb von kulturell bedeutsamen Kenntnissen, der Entwicklung einer „Haltung gegenseitigen Respekts und gegenseitiger Toleranz“ (S. 12). Er trägt dem Bedürfnis Jugendlicher Rechnung, „die Wirklichkeit zu erkennen, die Welt zu verstehen und sie sich selbst und anderen zu erklären.“ (S. 8) Damit leistet er einen wichtigen Beitrag „für die eigene Verwurzelung und Identität der Kinder und Jugendlichen, für religiöse Urteilsfähigkeit, für Sinnfindung und Orientierung in der Welt […]“ (S. 7)

 

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