Sicherheitsbewusstsein

Da die bisherigen vom Staat geschützten Informations- und Kommunikationswege zunehmend durch die Nutzung von Netzen ersetzt werden, muss der Einzelne sich selbst schützen (Rossnagel 1998, S. 65).  


Die aktuelle Diskussion um Datensicherheit, alle Grenzen überschreitende Geheimdienst-Überwachung, Datenmissbrauch in sozialen Netzwerken und die an ökonomischen Interessen orientierte Datennutzung durch Google und Co., die  alle individuellen Rechte  aushebeln, werfen berechtigt mindestens zwei Fragen auf:

 

  1. Was muss politisch getan werden, um dieser die Demokratie gefährdenden Entwicklung zu begegnen?
  2. Wie kann sich der Einzelne überhaupt noch schützen?

Für Schule ist die Beschäftigung mit der ersten Frage eine dringend notwenige Aufgabe der politischen Bildung!

Die zweite Frage wird zunehmend zu einer zentralen Aufgabe im Rahmen der  Medienbildung.

Wer Sicherheitsrisiken bewusst machen will, kann die technischen Systeme nicht als Black Box benutzen. Geht es um Textverarbeitung usw. kann mit Recht die Auffassung vertreten werden, dass Erklärungen über Aufbau und Funktionsweise des Computers nicht notwendig sind. Im Zusammenhang mit Sicherheitsrisiken erhalten derartige technische Grundkenntnisse einen völlig anderen Stellenwert. Die Vermittlung von Sicherheitsbewusstsein ist an die Vermittlung von grundlegenden Einsichten in Aufbau und Funktionsweise von Computern und Computernetzen gekoppelt.

Darüber hinaus müssen konkrete Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt und eingeübt werden, wie man sich schützen kann, ohne zum Informatikspezialisten zu werden. Zu denken wäre dabei an die Beratungs-, Unterstützungs- und Kontrollsysteme, wie sie von den Datenschutz-beauftragten des Bundes und der Länder zunehmend angeboten werden.

Die Vermittlung eines Sicherheits- bzw. Risikobewusstseins muss eingebettet werden in ein umfassenderes Konzept der Kommunikationserziehung. Wenn sich das Internet als ein "grenzenloser und körperloser Sozialraum"(vgl. Rossnagel 1998 ) beschreiben lässt, dann ist dies nur eine Fortschreibung der Einsicht, dass alle technischen Medien - vom Buch bis zum Internet - die unmittelbare Einheit von Raum, Zeit und Gesprächspartner in einer jeweils spezifischen Art und Weise aufheben. Daraus ergeben sich die Vorteile, aber auch die spezifischen Nachteile oder Besonderheiten der einzelnen Medien.

In der unmittelbaren Kommunikation verfügen die meisten über Strategien, um sich gegen unerwünschte Übergriffe in ihre Privatsphäre zu sichern. Diese Strategien - z. B. das Einschätzen der Vertrauenswürdigkeit einer Person - laufen in der unmittelbaren Kommunikation im Normalfall eher unbewusst ab. Der körper- und grenzenlose Sozialraum "Internet" liegt jenseits konkreter Erfahrungsmöglichkeiten. Daher muss hier sehr bewusst dazu angehalten werden, nach technischen Umsetzungsmöglichkeiten für die Verhaltensstrategien aus der unmittelbaren Kommunikation zu suchen. Daher muss geklärt werden, wo im Unterricht folgende Fragen bearbeitet werden:

  • Worin liegen die technischen und sozialen Besonderheiten der Kommunikation in Computernetzen?
  • Welchen Risiken setze ich mich im Internet aus?
  • Wie kann ich mich schützen? Welchen Schutz bieten bestimmte Verfahren?
  • Wo finde ich entsprechende Programme und wie wende ich sie an?
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