Schulisches Curriculum Berufsbildende Schulen

Das Niedersächsische Kultusministerium hat die Leitlinie „Schulisches Curriculum Berufsbildende Schulen (SchuCu-BBS)“ mit dem Ziel entwickelt, ein einheitliches Begriffsverständnis für den Bereich der beruflichen Bildung zu implementieren.

Ein einheitliches Begriffsverständnis ist Voraussetzung für eine verbesserte Abstimmung sowohl innerhalb der einzelnen Schule als auch zwischen den berufsbildenden Schulen und nicht zuletzt für die Zusammenarbeit mit den Studienseminaren. Ein verbindlich geltendes Begriffsverständnis, welches von allen Beteiligten und Verantwortlichen verlässlich angewendet wird, unterstützt nachhaltig die Unterrichtsentwicklung und damit die Schulentwicklung in der beruflichen Bildung.

Die Leitlinie SchuCu-BBS lässt auch zukünftig Raum für schulindividuelle Möglichkeiten der Ausgestaltung schulischer Curricula, die über die grundlegenden Anforderungen hinausgehen. Das didaktischmethodische Konzept der Handlungsorientierung hat dabei gemäß der rechtlichen Vorgabe (EB-BbS, vgl. Punkt 2.7 „Handlungsorientierter Unterricht“) zentrale Bedeutung für den Unterricht sowohl im berufsbezogenen als auch im berufsübergreifenden Lernbereich.

Bisher wurde zur Umsetzung der Handlungsorientierung im Unterricht an berufsbildenden Schulen und in der Lehrerausbildung das bHO-Konzept („Handlungsorientierung in der beruflichen Bildung“, NLQ, Stand 04/2013) unterstützend genutzt. Die Leitlinie „SchuCu-BBS“ ist eine Weiterentwicklung auf Basis des bHO-Konzeptes und setzt zudem rechtliche Vorgaben um.

Zukünftig sind in Niedersachsen für alle Bildungsgänge, sowohl für den berufsbezogenen Lernbereich als auch für den berufsübergreifenden Lernbereich, kompetenzorientierte schulische Curricula anzulegen, die entsprechend der Leitlinie „SchuCu-BBS“ zu erstellen und zu implementieren sind. Damit wird die didaktisch-methodische Planung in allen Lernbereichen prozesshaft ausgerichtet und über die Jahresplanung zeitlich-organisatorisch für das jeweilige Schuljahr angeordnet.

Zentrales Element kompetenzorientierter schulischer Curricula sind Lernsituationen, die die landeseinheitlichen grundlegenden Anforderungen erfüllen. Als Kern von Lernsituationen initiieren Handlungssituationen komplexe Lern- und Arbeitsprozesse, die den handlungsorientierten Unterricht tragen und zu einem Handlungsergebnis führen. Unterrichtsentwicklung auf Basis der Leitlinie unterstützt lebenslanges Lernen, die Betonung der Eigenverantwortlichkeit der Schülerinnen und Schüler und die Entwicklung von Handlungskompetenz.

In einem handlungsorientierten Unterricht soll kognitives (Kopf), affektives (Herz) und psychomotorisches (Hand) Lernen in einer lernförderlichen Atmosphäre erfolgen. Die Lernenden gestalten ihre Lern- und Arbeitsprozesse aktiv mit. Sie übernehmen schrittweise Verantwortung für ihren Lernprozess sowie die erarbeiteten Ergebnisse. Auf diese Weise wird die Persönlichkeitsentwicklung der Lernenden unterstützt.

Eine erste Hinwendung zur Handlungsorientierung wurde bereits 1991 in den Rahmenvereinbarungen der Kultusministerkonferenz über die Berufsschule eingefordert. Seit 1996 sind die Rahmenlehrpläne in der Berufsschule nach Lernfeldern strukturiert. Intention der Einführung des Lernfeldkonzeptes war die stärkere Verzahnung von Theorie und Praxis. Die Förderung und der Erwerb einer umfassenden Handlungskompetenz stehen damit im Mittelpunkt des pädagogischen Wirkens.

Ausgangspunkt des lernfeldbezogenen Unterrichts ist nicht mehr allein die fachwissenschaftliche Theorie. Vielmehr wird von Problemstellungen ausgegangen, um erforderliches Wissen für die berufliche Handlungsfähigkeit zu generieren. Die Mehrdimensionalität, die Handlungen kennzeichnet (z.B. ökonomische, rechtliche, mathematische, kommunikative und soziale Aspekte), erfordert eine breitere Betrachtungsweise als die Perspektive einer einzelnen Fachdisziplin. Für erfolgreiches lebenslanges Lernen sind Handlungs- und Situationsbezug sowie die Betonung eigenverantwortlicher Schüleraktivitäten erforderlich.1

Kompetenzorientiertes, lebenslanges Lernen wird zudem seit 2013 über acht Kompetenzniveaus des DQR - Der Deutsche Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen – abgebildet. Die Niveaus beschreiben allgemein die Anforderungen, die gestellt werden, um mit Komplexität und unvorhersehbaren Veränderungen umzugehen und selbstständig in einem Tätigkeitsfeld agieren zu können. Im Bereich der Fachkompetenz geht es darum, in welcher Breite und Tiefe Wissen erworben und in welcher Ausprägung über Fertigkeiten verfügt wird. Damit ist die Fähigkeit gemeint, Instrumente und Methoden einzusetzen und zu entwickeln. Personale Kompetenz schließt soziale Aspekte ein: Team- und Führungsfähigkeit, die Fähigkeit, das eigene Lern- oder Arbeitsumfeld mitzugestalten und Kommunikationsfähigkeit. Hinzu kommen Eigenständigkeit und Verantwortung, also die Fähigkeit zur Reflexion und Lernkompetenz.2

Die (Weiter-)Entwicklung kompetenzorientierter schulischer Curricula steht im Zentrum der Unterrichtsentwicklung in Niedersachsen. Das Angebot einer abgestimmten Beratung und Unterstützung durch Fachberatung und QM-Prozessbegleitung hinsichtlich der Prozesse im Qualitätsbereich B „Bildungsangebote gestalten“ und weiterer Qualitätsbereiche des KAM-BBS unterstützt die berufsbildenden Schulen bei der Implementierung, Weiterentwicklung und Schärfung schulischer Curricula im Sinnes eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses.

 

Die Leitlinie SchuCu-BBS des Niedersächsischen Kultusministeriums ist die Basis für die Arbeit aller Beteiligten und Verantwortlichen der beruflichen Bildung in Niedersachsen.

 

 

 

 

 


 

1 vgl. Sekretariat der Kultusministerkonferenz, Referat Berufliche Bildung, Weiterbildung und Sport (Hrsg.): Handreichung für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der Kultusministerkonferenz für den berufsbezogenen Unterricht in der Berufsschule […], Berlin 2011, aktualisierte Auflage, Juli 2017, S. 10
2 vgl. https://www.dqr.de/content/2315.php zuletzt abgerufen am 08.08.2018
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